Schwedische Küche

Jedes Land hat seine kulinarischen Eigenheiten, und was sich in einem Land an ”Kochkultur” entwickelt hat ist ein Spiegel dessen, was an Lebensmitteln angebaut werden kann aufgrund von Klima und geographischen Gegebenheiten.
Einer meiner Brüder witzelt gerne, dass es in Schweden keine Esskultur gäbe. Er meint damit, dass die Schweden nichts wirklich ”Eigenes” vorzuweisen haben und darin hat er nicht ganz unrecht. Trotzdem heisst das aber nicht, dass es in Schweden kein gutes oder leckeres Essen gäbe. Oder dass die Qualität von Lebensmitteln hier schlechter ist als z.B. in Deutschland.
Schweden ist ein Land mit relativ viel und langer Kälte (im Vergleich zu Ländern wie Spanien oder Italien) und mehr Dunkelheit. Dies schlägt sich natürlich darin nieder, was in Schweden seit langen Zeiten angebaut werden konnte. Das schwedische Klima hat vor allem Früchte hervorgebracht, die in der Erde wachsen, wie Kartoffeln, Zwiebeln, Rote Beete, Gelbe Beete und Möhren und Getreide. Davon haben sich die Schweden viele Jahrhunderte lang ernährt. In der Sommerzeit wurde der Speiseplan durch Beeren des Waldes oder angepflanztes Obst bereichert, ergänzt wurde das Ganze ganzjährig durch Milchprodukte und Fleisch in eher geringem Umfang und durch Fisch. Wenn man sich dagegen anschaut, was in wärmeren Ländern wie z.B. Spanien, Frankreich, Griechenland oder Italien angebaut werden kann und wächst, dann bietet sich durch die dort vorhandene Überfülle an unzähligen Gemüse- und Obstsorten auch ein völlig anderer historischer Hintergrund zur kulinarischen Entwicklung.
Das heutige Schweden ist in seiner Esskultur ein Mischmasch aus den Küchen dieser Welt. Sowohl wenn man den Schweden privat auf ihre Teller schaut wie auch auf die in den vielen Restaurants. Denn heute können die Schweden Lebensmittel aus anderen Ländern beziehen, die sie selbst nicht oder nur sehr begrenzt anbauen können, also vor allem frische Gemüse und Früchte. Insofern können nun auch Gerichte zubereitet werden, die früher nicht möglich waren. Aber es sind dann eben keine schwedischen Gerichte bzw. keine mit schwedischem Ursprung, sondern welche aus aller Welt.

Obst und Gemüse in Schweden // Tina Stafrén/imagebank.sweden.se
Fisch ist in Schweden gehört auch auf den Tisch. Gepökelter Lachs mit Salzkartoffeln und Dillsauce ist ein traditionelles schwedisches Gericht // Lola Akinmade Åkerström/imagebank.sweden.se

Ich möchte aber trotzdem die wenigen herausstechenden Eigenheiten des schwedischen Essens darstellen. An gekochten Gerichten fällt mir spontan eigentlich nur ”Janssons frestelse” (Janssons Versuchung) ein, ein Gratin aus Kartoffeln, Zwiebeln und Fisch. ”Köttbullar” (Frikadellen) werden in Schweden heiss geliebt, sind aber natürlich kein wirkliches Gericht. ”Kanelbullar” (Zimtschnecken) sind ein ganz grosser Klassiker und es gibt sogar einen speziellen ”Zimtschneckentag” in Schweden, an dem man ganz besonders aufgerufen ist, sich Zimtschnecken einzuverleiben 🙂 Dann gibt es noch ”Lussebullar”, Safranteilchen, die direkt nach den Zimtschnecken kommen. Ob sie allerdings rein schwedischen Ursprungs sind, dessen bin ich mir auch nicht ganz sicher.

Schwedische Zimtschnecken // Elliott Elliott/imagebank.sweden.se
Eine schwedische Weihnachtsfika besteht aus lussebullar, einem süßen Safranbrötchen mit Rosinen, das zusammen mit glögg, einer Form von würzigem Glühwein, serviert wird // Magnus Carlsson/imagebank.sweden.se
Schwedische Küche // Susanne Walström/imagebank.sweden.se

Da das schwedische Klima auch keinen Weinanbau gestattet, hat Wein früher nicht zur schwedischen Essenskultur gehört. Dafür aber Bier umso mehr und immer schon. Auch wenn es im heutigen Schweden natürlich importierten Wein zu kaufen gibt, so ist dieses Land trotzdem definitiv eins der Biertrinker und anderer harter alkoholischer Substanzen. Trotzdem hat Schweden aber keine wirklichen guten Biere hervorgebracht, die sie selbst lieben. Wenn sie die Möglichkeit haben, dann kaufen sie Bier am liebsten aus Deutschland, was vor allem auf dem schwedischen Schwarzmarkt aufgrund des Alkoholverkaufsmonopols des schwedischen Staates in riesigen Mengen getan wird.


Lokale Getränke im Restaurant Hvita Hjorten. Viele Mikrobrauereien sind in den letzten Jahren in ganz Schweden mit kreativen Rezepten und innovativen Aromen aufgetaucht // Tina Stafrén/imagebank.sweden.se

Wir Deutschen sind eine phantastische Auswahl an (von uns empfundenen) guten und frischen Broten aus unserem Land gewöhnt, danach sucht man in Schweden vergeblich. Frisches Brot ist in Schweden ausschließlich grossindustriell nach Einheitsware hergestellt und vor allem in grossen Supermärkten zu kaufen. Private kleine Bäckereien gibt es sehr selten und wenn dann eher in den Städten. Aber auch dort ist das Angebot nicht mit dem zu vergleichen, was wir aus Deutschland gewohnt sind. Das ”frische” Brot der Supermärkte in den ”Frischeregalen” wird in den Supermärkten mit vorgeliefertem Einheitsteig gebacken und enthält viele Zusätze wie Mehlantiverklumpungsmittel, Zucker, Konservierungsstoffe, hineingeblasene Luft und anderes. In Schweden wird vor allem auch sehr viel abgepacktes Brot aus Plastiktüten gegessen, das es in unglaublicher Vielzahl gibt. Da kann man meiner Meinung nach aber auch genauso Papiermasse mit etwas Gewürzen und vor allem viel Zucker drin essen, denn der gesundheitliche Nutzen dieser Brote tendiert wohl eher gegen 0. Dafür bietet Schweden aber eine unglaubliche Auswahl an leckersten Knäckebroten und ”tunnbröd” (dünnes Brot). Aber auch diese Brote werden alle grossindustriell hergestellt. Wer aber die Augen offen hält und bewusst nach gesunden, individuell hergestellten Broten sucht, wird trotzdem sicherlich auch in Schweden die eine oder andere kleine private Bäckerei finden und dort sowohl gute frische Brote als auch tunnbröd oder Knäckebrot zu kaufen finden.

Schweden ist vor allem ein Milchkuhland. Milchprodukte gibt es hier auch in unlaublicher Vielzahl und geschmacklich ”reicher” als so manche, die wir aus Deutschland kennen. Mein Vater sagt immer, die deutsche Buttermilch schmecke im Vergleich zur schwedischen wie Wasser, er liebt die schwedische Buttermilch über alles. Angeblich hat Schweden eines der besten Nutztiergesetze der Welt. Ich weiss nicht, ob sich das darin niederschlägt, dass schwedische Kühe vielleicht ein paar Stunden mehr auf die Weiden gelassen werden müssen als andere Kühe auf dieser Welt und ob sich das dann im angeblich besseren Geschmack niederschlägt. Das schwedische Fleisch hat defintiv mehr Geschmack als deutsches (auch wenn ich inzwischen vegan bin kann ich das von früher bestätigen sowie viele Gäste aus Deutschland). Vielleicht liegt das ja auch daran, dass schwedische Schweine und Kühe sich aufgrund der schwedischen Gesetze ein wenig mehr bewegen dürfen als andere Nutztiere? Aber die Inhaltsstoffe in schwedischen Milchprodukten wie auch Fleisch sind trotzdem die Gleichen wie überall und stark angereichert mit Antibiotika, Hormonen, Stresshormonen und anderen Medikamenten.

In Schweden gibt es etwa 320.000 Milchkühe. Rund sieben Prozent der schwedischen Fläche werden landwirtschaftlich genutzt. Die Tierhaltung bringt enorme Verantwortung für unsere Umwelt und das Wohlergehen der Tiere mit sich. In Schweden müssen die Landwirte strenge Tierschutzgesetze einhalten, und der Einsatz von Antibiotika ist international gering. Etwas weniger als 20 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche Schwedens wurden in ökologisches Land umgewandelt. Ein Drittel aller Grüns wird biologisch bewirtschaftet. // Anders Tedeholm/imagebank.sweden.se
Das schwedisch Fleisch // Tuukka Ervasti/ imagebank.sweden.se

Als Waldland mit einer Waldfläche von 50 % der Gesamtlandesfläche hat Schweden unglaublich viele Beeren und Pilze zu bieten. Blaubeeren sind sehr beliebt, ebenso ”Lingon” (Preiselbeeren), Himbeeren, Brombeeren, Walderdbeeren und diverse andere Beeren, deren Namen ich auf deutsch nicht kenne. Von Juni bis in den Beginn des Winters hinein hat Schweden in seinen Wäldern ein unglaubliches Angebot an herrlichen Beeren zu bieten, es gibt sogar Sorten, die erst nach dem ersten Frost richtig süss werden und herrlich schmecken. Ich kann es jedem Schweden-Urlauber nur empfehlen, in das Überangebot eines schwedischen Waldes einzutauchen und sich am herrlichen Geschmack dieser Vitamin -und Gesundheitsbomben zu berauschen. Ich selbst friere im Sommer literweise Beeren ein, die wir dann den ganzen Winter über in unseren Müslis essen oder in Gesundheitsdrinks. Der Herbst bietet dann eine ebensolche Fülle an Pilzen. Die Schweden sind ganz wild auf ihre ”kantareller” (Pfifferlinge), aber auch Steinpilze und andere werden gerne gegessen. Pfifferlinge aus dem Wald gibt es auch (teuer) in Geschäften zu kaufen, das Selbstsammeln ist aber ein herrliches Erlebnis, das ich jedem auch nur empfehlen kann.

”kantareller” (Pfifferlinge) Sammeln in Schweden // Clive Tompsett/imagebank.sweden.se
Blaubeeren sind sehr beliebt in Schweden // Heidelbeeren Moa Karlberg/imagebank.sweden.se
Schwedisches Frühstück- Warmer Brei mit Preiselbeeren und Milch ist ein traditionelles schwedisches Frühstück. Im Herbst gibt es in schwedischen Wäldern viele Preiselbeeren, Heidelbeeren und Moltebeeren, die jeder pflücken kann. // Tina Stafrén/imagebank.sweden.se

Summa summarum würde ich kurz zusammenfassen, dass ein Besuch in einem schwedischen Restaurant keine schwedischen Kulinaritäten liefert, aber leckeres und abwechslungsreiches Essen aus den Küchen dieser Welt.
Wer Schwedens wirkliche kulinarische ”Eigenheiten” und Vielfalt erfahren möchte, der sollte sich auf in die tiefen, schwedischen Wälder machen und Beeren und Pilze sammeln oder wilde ”Salate” (das Letztere nach voriger Unterweisung eines kundigen Schweden)!

REDAKTIONELLER HINWEIS

Text: Silke Nordfjäll, im Januar 2020. – “Silke Nordfjäll lebt mit ihrer deutsch-schwedischen Familie in Gästrike-Hammarby, Gävleborgs län, auf einem kleinen Hof im Wald und direkt am See, zusammen mit mehreren Pferden, Hund und Katzen. Auf dem Hof kann man u.a. ein Ferienhaus mieten”.
Infos: www.vastanvindsgarden.com.

Titelbild: Tuukka Ervasti/imagebank.sweden.se

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